Infrarot-
Schutz

Warum Infrarotschutz?

Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Im Durchschnitt werden wir älter. Betrug die durchschnittliche Lebenserwartung einer 1950 in Deutschland geborenen Frau noch 68,5 Jahre, so liegt sie für eine 2015 geborene Frau bei 83,4 Jahren.* Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Unsere Augen sind schlicht „Verschleißteile“. Da bestimmte Bestandteile des Auges wie die Netzhaut langfristig nicht repariert werden können, ist es wichtig, den Verschleiß so gering wie möglich zu halten.
* Statistisches Bundesamt (2018): Entwicklung der Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland nach Geschlecht von 1950 bis 2060 (in Jahren).

Warum ist der Infrarotschutz begrenzt?

Die Atmosphäre filtert bereits einen weit größeren Teil des UV-Lichts aus dem Lichtspektrum heraus als der Infrarotstrahlung. Da Sonnengläser diesen Bereich bislang nicht absorbieren, trifft die Infrarotstrahlung – anders als das UV-Licht – ungefiltert auf das Auge, und das bei deutlich weiter geöffneter Pupille.

Nach den Erkenntnissen des Fachverbands für Strahlenschutz können Infrarotstrahlen mit einer Wellenlänge zwischen 780 und 10.000 nm das Auge erheblich schädigen. Anders als bei UV-Strahlen reicht die Energie der IR-Strahlen nicht aus, um photochemische Veränderungen auszulösen, doch die Strahlen führen zu einer deutlichen Erwärmung des Augeninneren. Die entscheidende Frage zur Beurteilung des Schadens lautet: Was kommt eigentlich wo an? Der im Sonnenlicht dominierende IR-A-Anteil dringt im Bereich bis 1.400 nm mit einem erheblichen Teil sogar bis zur Netzhaut vor. Dies ergibt sich schlicht aus der allgemeinen Regel: Je kürzer die IR-Strahlung, desto größer die Eindringtiefe. Besonders betroffen ist die Aderhaut (Choroidea), die durch IR-A geschädigt werden kann. Dies kann zu lokalen Gewebedefekten in der Netzhaut (Retina) führen. Nur ein kleiner Teil der Strahlung, die länger als 2.000 nm ist, gelangt durch die Hornhaut. Die vordere Augenkammer absorbiert sämtliche Strahlung oberhalb von 2.000 nm. Alle Wellenlängen größer als 1.400 nm werden von der Linse und dem Glaskörper herausgefiltert.

INFRAROTSCHUTZ IN ANDEREN BRANCHEN

Besonders in der Dermatologie ist die Forschung bereits weit fortgeschritten, und es gibt einschlägige Studien zur Schädlichkeit der Infrarotstrahlung, die bereits in die Entwicklung neuer Sonnenschutzcremes eingeflossen sind. Die Auffassung der Hersteller dieser Sonnenschutzprodukte lautet: „Ohne Infrarotschutz sind Sie nur zur Hälfte vor der Sonnenstrahlung geschützt“, denn Infrarotstrahlen machen mehr als 40 % des Sonnenlichtspektrums aus.

ENTWICKLUNG DER SONNENSCHUTZPRODUKTE

Nach ersten Vermutungen Mitte des 19. Jahrhunderts, dass UV-Licht schädlich sein könnte, erschienen 1913 die Crookes-Sonnenschutzgläser, die einen 100-prozentigen UV-Lichtschutz garantieren. 1908 konnte der Schweizer Augenarzt Alfred Vogt dies nachweisen. 1926 veröffentlichte er seine zusammengefassten Erkenntnisse, dass ultraviolettes Licht eine schädigende Wirkung auf das Auge hat. Übrigens sei erwähnt, dass er bereits darauf hinwies, dass auch die Infrarotstrahlung eine ähnlich schädigende Wirkung haben dürfte. 1930 wurde die erste Serie von Sonnenbrillen produziert, bei der der Blendschutz noch eine wesentliche Rolle spielte. Neben dem modischen Aspekt der Sonnenbrillen wurden Schutznormen entwickelt, etwa die Norm EN1836, die von vollständigem UV-Schutz spricht, sobald eine Absorption von 95 % im Bereich bis 380 nm vorliegt. Der bekanntere und vor allem jedem Endverbraucher geläufige Standard ist heute das UV400-Siegel, das in das sichtbare Licht eingreift und auch schädliches hochfrequentes blaues Licht blockiert. Wir fragen uns: Was ist mit dem Infrarotschutz geschehen?